Das Geschnatter von der Erbsünde

Wurde ich doch tatsächlich gefragt:
„Was ist mit der Erbsünde ?
Kommt ein Baby als heilige und reine und gute Seele auf die Welt ?“
Und bekam auch gleich die Antwort mitgeliefert:
„Nein, natürlich nicht.“

Das Geschnatter von der Erbsünde

Ich wurde doch tatsächlich gefragt:

„Was ist mit der Erbsünde? Kommt ein Baby als heilige und reine und gute Seele auf die Welt?“ 

Und bekam auch noch folgende Antwort mitgeliefert: Nein, natürlich nicht.“

„Es ist uraltes Wissen der Menschheit, dass eine Seele immer wieder inkarnieren muss.
Ein Neugeborenes hat zwar einen neuen Körper, aber die Seele, der Mensch an sich, hat schon oft gelebt, hat gesündigt und bringt seine Schuld mit. Dies ist auch der Grund, weshalb Kinder behindert geboren werden oder in brutale Umstände, wo der Vater Alkoholiker ist und das Kind und die Mutter schlägt. Das ist alles kein Zufall, sondern die Konsequenz aus den vorigen Inkarnationen dieser Seele. Was jemand sät, wird er ernten.

Die einzige Chance, aus dem Kreislauf von Sterben und Geboren werden herauszukommen, besteht in der Vervollkommnung der Seele. Dafür muss sie sich von allen Sünden reinigen und ein heiliges Leben führen. Dann muss sie nicht mehr auf der Erde inkarnieren.

Die Erde ist ein Gefängnisplanet. Sündige Seelen werden hineingeboren, bekommen ihre gerechten Strafen für ihre Sünden in vergangenen Leben und erhalten die Chance, umzukehren und rein und heilig zu werden.“

Ich hatte bisher schon von vielen Wahnvorstellungen gehört, aber ein solcher Schmarren verlangt dennoch eine Stellungnahme, weil er offensichtlich unwidersprochen von vielen hingenommen, wenn nicht gar geglaubt wird.

Jeder Mensch kommt sehr gut, rein und heilig auf die Welt. Auch wenn mir bisher niemand erklären kann, was denn eine „Seele“ sein soll, will ich den Begriff verwenden. Natürlich kommt jedes Baby als heilige und reine und gute Seele auf die Welt. Daran kann nur ein Geisteskranker zweifeln und nur der Unverstand eines Menschen kann das in Abrede stellen.

Es handelt sich um eine aus der Luft gegriffene Behauptungen, daß „eine Seele immer wieder inkarnieren muß“ und daß „es sich dabei um uraltes Wissen handelt.“ Ein einziges Mal wird der Mensch geboren und ein einziges Mal stirbt er auch. Keiner hat schon oft gelebt und gesündigt. Und was es nicht gibt, kann nicht mitgebracht werden. Kein Mensch wird geboren, um eine Strafe für Sünde oder Schuld abzuleisten.

Die „Seele“ ist vollkommen und daher ist es Unsinn, auch nur in Erwägung zu ziehen, dass sie sich für Taten eines vorhergehenden Lebens zu verantworten habe.

Der Mensch ist ein Gutes Sein und nicht, wie der Todeskult verbreitet, ein Böses-Sein. 

>>Jeder also, der sagt: „Es ist etwas Böses, ein Mensch zu sein“, oder: ,,Es ist etwas Gutes, schlecht zu sein“, der fällt unter jenen prophetischen Spruch: „Wehe denen, die das, was gut ist, böse und das, was böse ist, gut nennen!“: denn so einer beschuldigt ein Werk Gottes, den Menschen, und lobt einen Fehler des Menschen, die Sünde.<<

Käme aber ein Baby als unheilige, unreine und schlechte Seele auf die Welt, dann würde es sich beim Menschen um ein böses Sein handeln. Weil der Mensch aber ein Werk Gottes ist, wäre damit Gott der Urheber des Bösen.

Augustinus:

„Weil also der Schöpfer aller Wesen ohne Ausnahme unendlich gut ist, darum sind auch alle [geschaffenen] Wesen gut; aber weil sie nicht wie ihr Schöpfer unendlich und unwandelbar gut sind, darum kann das Gute an ihnen auch abnehmen oder zunehmen.

Nimmt aber das Gute ab, so ist das etwas Böses; doch soviel auch von dem Guten abnimmt, etwas [Gutes] muß doch immer noch zurückbleiben, solange das Wesen selbst noch vorhanden, ist; denn sonst könnte es ja seine Wesenheit nicht behalten.

Mag nämlich ein Wesen sein wie nur immer und mag es noch so unscheinbar sein, so kann doch das Gute, das in ihm kraft seiner Eigenschaft als Wesen wohnt, nur dann vernichtet werden, wenn das Wesen selbst vernichtet wird. Mit Recht wird gewiß ein unverdorbenes Wesen gerühmt; ist es aber auch noch unverderblich, so daß es einer Verderbnis überhaupt nicht ausgesetzt ist, so verdient es ohne Zweifel noch viel mehr Ruhm.

Wird es aber einmal verdorben, so ist seine Verderbnis darum etwas Böses, weil sie es um irgendein Gut bringt. Würde sie es nämlich um kein Gut bringen, so wäre sie ja nicht schädlich; sie ist aber in Wirklichkeit schädlich, folglich nimmt sie ein Gut weg.

Solange also ein Wesen noch dem Verderben ausgesetzt ist, besitzt es ein Gut, dessen es beraubt werden kann, und wenn darum von einem Wesen etwas übrigbleibt, was schließlich überhaupt nicht mehr verdorben werden kann, so ist es offenbar ein unverderbliches Wesen und es gelangt zu diesem so großen Gut gerade durch die Verderbnis . Wenn aber die Möglichkeit der Verderbnis nicht aufhört, so hört das Wesen gewiß auch nicht auf, ein Gut zu besitzen, dessen es die Verderbnis berauben kann.

[Erst durch die zerstörende Arbeit der Verderbnis wird klar, welch gewaltiges Gut das seiner Natur nach unverderbliche Wesen der Menschenseele ist.]

Hat aber einmal die Verderbnis das Wesen voll und ganz zernichtet, so ist bloß deshalb nichts Gutes mehr an ihm, weil überhaupt keine Wesenheit mehr da ist. Darum kann die Verderbnis das Gute nicht vernichten, außer sie vernichtet das Wesen selbst.

Jedes Wesen ist somit etwas Gutes, und zwar ein großes Gut, wenn es nicht verdorben werden kann, nur ein kleines aber dann, wenn dies möglich ist; doch [auch in diesem Falle]

kann nur törichter Unverstand in Abrede stellen,

daß es etwas Gutes ist.

Wird aber das Wesen durch Verderbnis zerstört, dann bleibt auch die Verderbnis nicht zurück, weil ja kein Wesen mehr da ist, an dem es haften könnte.

Wenn es also nichts gäbe, was gut ist, dann gäbe es darum auch nichts, was man böse nennen könnte.“