Volksabstimmung vom 14. Juni 2015 – Bahn frei für Retortenbabies & Zwangsabgaben für Propaganda!

“Was macht eigentlich der Schweizer mit den Erzeugnissen aus Embryonen, wenn damit kein Handel getrieben werden darf?”

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Demächst ist es wieder so weit. Kommenden Sonntag, den 14. Juni, werden alle stimmberechtigten Schweizer zur Urne gerufen.

Es sind viele Vorlagen, welche anstehen –  die meisten davon ziemlich irrelevant. Da ich aktuell knapp bei Zeit bin und meine bisherigen, sehr umfangreichen Volksabstimmungs-Werke mit Arbeitsaufwand von ca. zehn Stunden eh auf viel zu wenig Interesse stiessen, halte ich mich dieses mal kurz, und beschränke mich auf die Nein-Parolen zur PID-Vorlage und der RTVG-Revision (BILLAG-Freibrief – vgl. GEZ-Zwangsabgaben).

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Wie komme ich bitte zufuß auf die Krim?

Noch mehr dumme Lügen und eine Erwiderung von Dagmar Henn
http://vineyardsaker.de/analyse/eine-langlebige-ente-oder-zu-fuss-auf-die-krim/

Tagesspiegel, 14.06.2015: „Sollten die von Russland unterstützten Separatisten die Hafenstadt unter ihre Kontrolle bringen, besäße Putin einen direkten Landzugang zur Halbinsel Krim.“

Diese Beharrlichkeit, mit der an einer so leicht aufzudeckenden Lüge festgehalten wird, machte mich dann doch neugierig, und ich schaute nach, seit wann diese gespenstische Landverbindung besteht.

Reuters, 26.02.2015: „Sollte Mariupol von den Rebellen erobert werden, wäre der Weg zur Krim frei, die keine Landverbindung zu Russland hat.“

Welt, 21.02.2015: „Strategisch ist Mariupol wichtig: Die Stadt bietet Russland eine Landverbindung zur Krim.“

Ende Januar gab es diese Behauptung gleich quer durch die Presselandschaft. Der Grund dafür war jener eine Beschuss von Mariupol, der vermutlich vom Freikorps Asow ausging, aber, wie üblich, den „Separatisten“ zugeschrieben wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch besonders laut getönt, ein Angriff auf Mariupol sei ein Grund für neue Sanktionen gegen Russland…und immer wieder mit der selben Begründung:

RP Online, 26.1.2015: „Mariupol ist strategisch besonders wichtig, weil sich durch eine Eroberung der Hafenstadt eine Landverbindung von der russischen Grenze zur im März von Russland annektierten Halbinsel Krim ergäbe.“

BILD, 24.01.2015: „Mit der Einnahme Mariupols ergäbe sich eine Landverbindung von der russischen Grenze zur im März von Russland völkerrechtswidrig annektierten Halbinsel Krim.“

Gut, das ist die BILD-Zeitung. Die ist dafür bekannt, solches Zeug zu schreiben. Allerdings: wenn ein bundesdeutscher Aussenminister auch glaubt, man käme von Mariupol auf die Krim, ist das eine andere Sache.

Mittlerweile dringen wir ins Jahr 2014 vor:

Welt, 01.09.2014: „Im Südosten der Ukraine wächst derweil die Sorge, dass die Aufständischen versuchen, eine Landverbindung zwischen Russland und der Halbinsel Krim unter ihre Kontrolle zu bringen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnt genau davor: dass Russland im Südosten der Ukraine eine Landverbindung zur Krim annektieren könnte. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in der vergangenen Woche im Südosten der Ukraine von pro-russischen Milizen “eine zweite Kampflinie” um die Stadt Mariupol eröffnet wurde. “Russische Landbrücken und Korridore wären ebenso völkerrechtswidrig und zu verurteilen wie die Annexion der Krim durch Russland”, sagte Steinmeier der “Märkischen Allgemeinen”. Russland habe offenbar Versorgungsschwierigkeiten auf der Krim, sagte er.“

Die (nicht anwesenden) russischen Truppen wollen laut Steynmeyer also in Mariupol um eine „russische Landbrücke“ kämpfen. Zugegeben, das ist eine etwas subtilere Variante, vielleicht scheute Steynmeyer davor zurück, sich bei einer offenen Lüge ertappen zu lassen und überliess die Verknüpfung der real nicht verbundenen Dinge vertrauensvoll den propagandistischen Mitarbeitern. Dennoch, das Ergebnis ist das gleiche.

Er muss das wohl irgendwo gelesen haben…

Könnte hier gewesen sein:

n-tv, 28.08.2014: „Andererseits bildet die Region um Mariupol die Landverbindung zwischen Russland und der Halbinsel Krim, die Russland im März annektiert hat.“

Wirtschaftswoche, 28.08.2014: „Die Region Mariupol ist die Landverbindung zwischen Russland und der von Moskau im März einverleibten Halbinsel Krim.“

Obwohl es schon verwundert, wenn selbst im Auswärtigen Amt niemand über Kenntnisse im Kartenlesen verfügt.

Man könnte vermuten, die behauptete Landbrücke hätte die selbe Qualität wie die zu jener Zeit durch die selben Medien rollenden russischen Panzerkolonnen: unsichtbar zu sein.

Nur, wie kann man verlässliche Information von einer Presselandschaft erwarten, die zehn Monate lang immer wieder die selbe Ente durchs Dorf jagt (die mittlerweile ein ansehnliches Schlachtgewicht erreicht haben dürfte)? Die zehn Monate lang eine schlichte geografische Tatsache nicht zur Kenntnis nimmt?

Man kann natürlich darauf verweisen, dass immer größere Teile der Pressetexte nur aufgehübschte Agenturmeldungen sind, für deren Überprüfung keine Zeit ist, und eine Zeitung von der anderen abschreibt. Dennoch, zehn Monate sind dafür zu lang, und es sind zumindest verschiedene Agenturen an dieser Entwicklung beteiligt. Diese Ente wurde von zu vielen Hütejungen gehätschelt, um darin noch einen rationalisierungsbedingten Zufall zu sehen.

Es gibt dafür eine unterhaltsame und eine ernsthafte Begründung. Die ernsthafte lautet, dass diese Lüge – und ja, es ist eine Lüge, denn Kenntnis im Lesen und Schreiben wie auch die Fähigkeit, so ungefähr eine Karte zu lesen, muss man auch bei deutschen Journalisten voraussetzen können – tatsächlich einem propagandistischen Plan folgt. Einem Plan, der ein bereits bestehendes Drehbuch unterstützen soll, das nun einmal die nächste Stufe Sanktionen (oder mehr) für eine Befreiung Mariupols vorsieht. Weshalb die erfundene, dafür vorbereitete Begründung so oft wiederholt wird, dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung verankert werden kann, auch wenn sie hart mit der Wirklichkeit kollidiert: Putin will Mariupol wegen der Landbrücke zur Krim…

Man könnte sogar noch weitere Motive für diese Realitätsverzerrung finden. Denn immer wieder geht es nicht nur darum, den Krieg im Donbass oder vielmehr, die Selbstverteidigung der dortigen Bevölkerung gegen die Kiewer Junta als Tätigkeit im Auftrag der russischen Regierung darzustellen. Neben der gegen Russland gerichteten Absicht gibt es zudem den tiefen Wunsch, die Vorstellung, dort, im Donbass, könnten Menschen aus eigenem Antrieb gehandelt, aus eigenem Antrieb neue Staaten errichtet haben, zu verhindern. Tatsächlich läge der Grund für eine Befreiung Mariupols in den beiden Volksrepubliken Donezk und Lugansk selbst, sie brauchen zur Abrundung der dortigen Stahlproduktion die Werke in Mariupol, die den Rohstahl verarbeiten, und den dortigen Hafen für den Export; aber ein solcher innerer Grund kann nicht sein, da er auf eigene Interessen und auf eigenständiges Handeln hindeutet. Da nicht sein kann, was nicht sein darf, muss eben eine Landbrücke her.

Aber wenden wir uns der unterhaltsamen Begründung zu. Man kann ja nicht immer nur darüber nachsinnen, wie kriegslüstern diese Republik inzwischen geworden zu sein scheint. Tun wir doch so, als wäre all das ganz unschuldig; schliesslich taucht in der ersten Meldung ein Name auf, der für allerlei Unsinn gut ist und :

ZEIT, 28.08.2014: „Die Region Mariupol ist die Landverbindung zwischen Russland und der von Moskau im März einverleibten Halbinsel Krim. Zu Vermutungen über eine mögliche russische Landbrücke zur Krim äußerte sich Psaki nicht.“

Denn wenn das so ist, kann uns nichts passieren. Dann schickt im schlimmsten Falle Flyntenuschy die Bundesmarine zusammen mit der 6. US-Flotte nach Minsk, um die unsichtbaren russischen Panzer abzuwehren, die über die Landbrücke von der Krim nach Mariupol einfallen

https://www.google.de/maps/place/Ukraine/@48.383022,31.1828699,6z/data=!3m1!4b1!4m2!3m1!1s0x40d1d9c154700e8f:0x1068488f64010

Um also von Mariupol trockenen Fußes auf dem Landweg zur Krim zu gelangen, müssen 384 km zurückgelegt werden; zu Fuß gewandert — eine alte Frau ist keine Dampflok — 14 Tage:

https://www.google.de/maps/dir/Mariupol‘,+Donetsk+Oblast,+Ukraine/Armyans’k,+Crimea/@46.7644132,34.4189937,8z/data=!3m1!4b1!4m14!4m13!1m5!1m1!1s0x40e6e6a7bee7582b:0xa5d118300a75b5ce!2m2!1d37.543367!2d47.097133!1m5!1m1!1s0x40c187eb5dd0931d:0xe9a117e850afc674!2m2!1d33.6876019!2d46.1140519!3e2

Karte der Ukraine mit den Städten Donezk, Lugansk und Mariupol

Foto: ARD http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-mariupol-103.html

http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/Russland-will-ueber-die-Strasze-von-Kertsch-eine-Bruecke-zur-Krim-bauen/14007

Ein wenig „Erdkunde“:

Image result for krim.

Also: die Krim

hat ein paar mehr Einwohner als

die Freie und Hansestadt Hamburg

ist aber etwa 35 mal so groß!

Ohne Gewalt:

Krim Rede zur Krim-Krise

Foto AFP

Was geschah wirklich am 17. Juni 1953 und wie kam es dazu?

@ Rolf Preil

nicht nur Egon Bahr, auch Herbert Wehner und Willi Brandt und der einarmige Bandit wären wohl mit aufzuzählen …

via Was geschah wirklich am 17. Juni 1953 und wie kam es dazu?.