Zitat: „Ende der 20er Jahre hatte Erich Kästner, den viele als Kinderbuchautor kennen, das Buch ›Vor die Hunde gehen‹ geschrieben. Was ihn dazu getrieben hatte, hat er 1946 in einem Vorwort beschrieben – nachdem alles so kam:
»(Mit dem Titel) sollte, schon auf dem Einband, deutlich werden, dass der Roman einen Zweck verfolgt. Er sollte warnen. Er wollte vor dem Abgrund warnen, dem sich Deutschland und damit Europa näherten. Er wollte mit angemessenen, und das konnte in diesem Fall nur bedeuten, mit allen Mitteln in letzter Minute Gehör und Besinnung erzwingen. (…) Die große Arbeitslosigkeit, die der wirtschaftlichen folgende seelische Depression, die Sucht sich zu betäuben, die Aktivitäten bedenkenloser Parteien, das waren die Sturmzeichen der nahenden Krise. Und auch die unheimliche Stille vor dem Sturm fehlte nicht, – die einer epidemischen Lähmung gleichende Trägheit des Herzens. Es trieb manche, sich dem Sturm entgegenzustellen. Sie wurden beiseitegeschoben. Lieber hörte man den Jahrmarktschreiern und Trommlern zu, die ihre Senfpflaster und Patentlösungen anpriesen. Man lief ihnen nach, hinein in den Abgrund, in dem wir nun, mehr tot als lebendig, angekommen sind.« (Der Gang vor die Hunde, Atrium Verlag Zürich 2015, S. 239/40) Dieses Buch fiel Ende der 20er Jahre in Teilen der Selbstzensur seines Verlages zum Opfer. Selbst der Titel: Gang vor die Hunde, durfte nicht bleiben. Er wurde durch den belanglosen Namen Fabian ersetzt.
Ein Beispiel unter vielen aus dieser Zeit. Anstatt sich dem Drohenden in den Weg zu stellen, wollte man alles, nur nicht stören. Das hat mit dazu beigetragen, dem deutschen Faschismus den Weg zur Macht freizumachen.
Wer erklären kann, dass sich nichts davon wiederholt, sollte sich schleunigst zu Wort melden.“
Wolf Wetzel
Immer mehr Krieg
für den Frieden von immer weniger Menschen
Ende dieses Jahres hat die deutsche Bundesregierung zugesagt, sich auch militärisch am Krieg in Syrien zu beteiligen, unter Missachtung des UN-Völkerrechts, dafür mit Tornado-Aufklärungsflugzeugen, mit bis zu 1.200 Soldaten, einem Kriegsschiff … und einer übergroßen Mehrheit der im Parlament vertretenen Parteien. Um genau zu sein: mit 74,54 Prozent der abgegebenen Stimmen. Nur die Partei ›Die Linke‹ votierte geschlossen dagegen.
Diesen weiteren Schritt nach vorne, an die Kriegsfronten dieser Welt, nahm die Süddeutsche Zeitung wohl zum Anlass, diese allegorische Inszenierung zu veröffentlichen:
Beim ersten Anblick würde man auf deutsche National-Zeitung tippen oder auf einen Aufmacher einer der vielen Pegida-Applikationen. Nein, das braucht die ›Mitte‹ alles nicht mehr. Wir sind mitten in einem vierseitigen Special der Süddeutschen Zeitung, mit dem friedensbringenden Untertitel:
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