Das Mädchen von Krasnodar
Als die erste Kosakenpatrouille in das von der zurückflutenden deutschen Kaukasusarmee geräumte Krasnodar einritt, fand sie auf dem Hauptplatz der vandalisch zerstörten und nahezu völlig entvölkerten Stadt ein etwa achtzehnjähriges Mädchen damit beschäftigt, in einer roh zusammengezimmerten Holzbude Bücher zum Verleih an Soldaten und heimkehrende Einwohner zurechtzulegen.
Auf eine Frage des Offiziers, der die Patrouille führte, gab das Mädchen zur Antwort, daß sie Polina Udowenko heiße, von Beruf Türhüterin der städtischen Bibliothek sei und während der deutschen Besetzung nächtlicherweile die ganzen Bücherbestände – zwanzigtausend Bände — weggeschafft und in einem Schuppen. an der Stadtgrenze versteckt habe. Dergestalt seien, als die Nazis vor ihrem Abzug das Bibliotheksgebäude anzündeten, nur die leeren Regale verbrannt, und der Bibliotheksdienst könne sofort wieder aufgenommen werden.
Ob ihr bei den nächtlichen Bergungsexpeditionen niemals der Gedanke gekommen sei, daß die. deutschen Posten sie überraschen und niederschießen könnten, wollte der Offizier wissen. Und Polina…
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